{"id":5918,"date":"2011-05-01T21:41:36","date_gmt":"2011-05-01T19:41:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.denkfried.de\/wp\/?page_id=5918"},"modified":"2012-07-07T19:39:39","modified_gmt":"2012-07-07T17:39:39","slug":"neubrandenburg-funfeichen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.denkfried.de\/wp\/?page_id=5918","title":{"rendered":"F\u00fcnfeichen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Neubrandenburg &#8211; F\u00fcnfeichen<\/strong><br \/>\nAdresse: Arbeitsgemeinschaft F\u00fcnfeichen, Hopfenstra\u00dfe 5, 17034 Neubrandenburg<\/p>\n<p>Quelle: Politische Memoriale Mecklenburg Vorpommern<br \/>\nHistorischer Bezug: 1938 erwarb die Wehrmacht das Gut F\u00fcnfeichen von der j\u00fcdischen Besitzerin Olga von Maltzahn und begann mit dem Bau von Kasernen. W\u00e4hrend des Krieges war hier u.a. ein Panzerausbildungstruppenteil stationiert, deshalb entstand der Name \u201ePanzerkasernen\u201c. Auf dem Standort\u00fcbungsplatz n\u00f6rdlich des Gutshauses F\u00fcnfeichen entstand 1939 das Kriegsgefangenenlager Stalag II A. Am 12. September 1939 trafen die ersten polnischen Kriegsgefangenen ein und begannen mit dem Aufbau der Holzbaracken. F\u00fcr die Offiziere entstand ein eigenes Lager, das Oflag II E (ab Februar 1944 als Oflag -67 bezeichnet) westlich des F\u00fcnfeichener Weges. Die h\u00f6chste Belegung betrug im M\u00e4rz 1943 10.391 Kriegsgefangene. Durch Evakuierungen aus anderen Lagern stieg die Zahl der Internierten auf ca. 15.000. Von den gestorbenen Kriegsgefangenen wurden 473 in Einzelgr\u00e4bern bestattet, etwa die dreifache Anzahl von sowjetischen Toten wurde in Massengr\u00e4bern verscharrt, sch\u00e4tzen Historiker. Am 28. April 1945 befreite die Rote Armee das Lager. Von Mai bis September 1945 dienten das Kriegsgefangenenlager und die Panzerkasernen zur Unterbringung befreiter Kriegsgefangener, Zwangsarbeiter und KZ-H\u00e4ftlinge, die auf ihre R\u00fcckkehr in die Heimat warteten.<br \/>\nIm Juni 1945 begannen die sowjetischen Sicherheitsorgane in den Baracken des Kriegsgefangenenlagers deutsche Internierte einzusperren. Es entstand das Speziallager Nr. 9. Ungef\u00e4hr 15.000 Frauen, M\u00e4nner und Jugendliche sind bis zur Aufl\u00f6sung des Speziallagers hier interniert worden. Das Lager unterteilte sich in f\u00fcnf Zonen, wobei das Nordlager noch einmal gesondert durch eine Ziegelsteinmauer und elektrisch geladenen Stacheldraht gesichert war. Im Unterschied zu den anderen Speziallagern war der Anteil der Internierten sehr hoch, der einer Besch\u00e4ftigung in den Werkst\u00e4tten oder den landwirtschaftlichen G\u00fctern der Umgebung nachging, durchschnittlich die H\u00e4lfte der Gefangenen. Die H\u00e4ftlinge setzten sich aus unteren NS-Funktion\u00e4ren, Mitl\u00e4ufern, Angeh\u00f6rigen von NS-Sicherheitsorganen, als so genannte Werw\u00f6lfe verhaftete Jugendliche, B\u00fcrgermeister und Gutsbesitzer zusammen. Eine individuelle Schuldpr\u00fcfung erfolgte nicht. Aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen verstarben \u00fcber 4.700 Internierte, 5.400 Internierte wurden entlassen, \u00fcber 3.500 in andere Speziallager verlegt, andere kamen in sowjetische Zwangsarbeitslager oder zur Verurteilung vor ein Sowjetisches Milit\u00e4rtribunal. Am 4. November 1948 verlie\u00dfen die letzten 179 Internierten das Lager, im Januar 1949 wurde die Existenz des Lagers offiziell beendet.<\/p>\n<p>Geschichte des Erinnerns: Zu DDR-Zeiten wurde allein an die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers erinnert. 1961 wurde eine Gedenkanlage an den Gr\u00e4bern der Kriegsgefangenen errichtet; die Einzelgr\u00e4ber wurden eingeebnet und ein symbolischer Glockenturm errichtet. Die Gedenkst\u00e4tte geh\u00f6rte ab 1979 zum totalen Sperrgebiet und wurde als Truppen\u00fcbungsplatz entweiht. Bis 1990 nutzte die NVA das Gel\u00e4nde. Dieter Kr\u00fcger vom Museum Neubrandenburg entdeckte im M\u00e4rz 1990 erste Massengr\u00e4ber der Toten des Speziallagers, wodurch eine \u00f6ffentliche Debatte \u00fcber das Lager angesto\u00dfen und ein Gedenken f\u00fcr diese Toten erstmals \u00f6ffentlich m\u00f6glich wurde. Ostern 1990 fand die erste Gedenkveranstaltung auf den so genannten S\u00fcdfriedhof statt. Im April 1991 gr\u00fcndeten ehemalige Internierte und Hinterbliebene die Arbeitsgemeinschaft F\u00fcnfeichen, die zum Motor f\u00fcr die Neugestaltung der Gedenkst\u00e4tte und der Erinnerungsarbeit wurde. 1993 konnte die neu gestaltete Mahn- und Gedenkst\u00e4tte eingeweiht werden. Neben dem Friedhof der Kriegsgefangenen sind zwei Friedh\u00f6fe f\u00fcr die Gefangenen im Speziallager markiert. Die ersten Toten 1945\/46 wurden anfangs noch in Einzelgr\u00e4bern auf einem n\u00f6rdlichen Gr\u00e4berfeld beerdigt. Zwischen 1946 und 1948 wurden die Toten in Massengr\u00e4bern verscharrt. 1999 konnten auf dem S\u00fcdfriedhof 59 Bronzetafeln mit den Namen von 5.169 Toten der \u00d6ffentlichkeit \u00fcbergeben werden. Im Jahr 2000 erwarb die Stadt vom russischen Staatsarchiv \u00fcber 100 einzigartige Fotos vom sowjetischen Speziallager, die zu Propagandazwecken aufgenommen wurden.<\/p>\n<p>P\u00e4dagogische Angebote: Zeitzeugengespr\u00e4che und F\u00fchrungen \u00fcber die Gedenkst\u00e4tte werden durch die Arbeitsgemeinschaft F\u00fcnfeichen angeboten. Durch die MitarbeiterInnen des Stadtarchivs werden Projekttage oder \u2013wochen fachlich begleitet. Im Archiv k\u00f6nnen umfangreiche Materialien zur Geschichte der Lager eingesehen werden. Im Regionalmuseum Neubrandenburg gibt es eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Lager in Neubrandenburg.<\/p>\n<p>Aus &#8222;Sowjetische Gr\u00e4berst\u00e4tten und Ehrenmale in Ostdeutschland heute&#8220; wird folgendes \u00fcber die Gedenkst\u00e4tte angegeben:<br \/>\nGedenkst\u00e4tte an die opfer des Kriegsgefangenenlager Stalag II\/A, in dem w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges Zehntausende Gefangene aus der UdSSR, aus Polen, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Belgien, Jugoslawien, Griechenland, italien, den USA, und den Niederlanden interniert waren. Von diesen sind bis zur Befreiung durch sowjetische Truppen am 28.April 1945 mehrere tausend Internierte &#8211; die Angaben schwanken zwischen 3000 und 22000 &#8211; infolge unmenschlicher Behandlung umgekommen.<br \/>\nAnfang der 90er Jahre wurde die Gedenkst\u00e4tte umgestaltet und um die Erinnerung an die w\u00e4hrend der Nutzung des Lagers als NKWD-Speziallager Nr.9 zwischen 1945 und 1948 verstorbenen Personen erweitert. Daf\u00fcr hat der Bildhauerr Uwe Grimm ein els Meter hohes, schr\u00e4g stehendes und durch Stahlrohre gest\u00fctztes Holzkreuz geschaffen. Das Kreuz ist Teil der Gedenkst\u00e4tte, die im April 1993 eingeweiht wurde. Hinter dem Eingang zur Gedenkst\u00e4tte liegt eine gro\u00dfe Tafel mit der Aufschrift: &#8222;Allen Toten von F\u00fcnfeichen zu immergew\u00e4hrendem Gedenken und den Lebenden zur\u00a0 Mahnung&#8220;. Unter dieser Inschrift befinden sich zwei Schriftbl\u00f6cke. Der rechte lautet: &#8222;Auf diesem Friedhof von Kriegsgefangenendes Zweiten Weltkrieges ruhen 500 Soldaten und Offiziere in Einzelgr\u00e4bern. Sie kamen aus Belgien, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Italien, den Niederlande, Polen, Serbien, der Slowakei und den USA. Mehr als tausend kriegsgefangene Soldaten der Roten Armee starben in F\u00fcnfeichen an den Folgen schlechter Behandlung. Sie wurden in Gruppengr\u00e4bern bestattet.&#8220; Auf der linken Seite der Tafel steht: &#8222;Nach 1945 kamen hier in diesem Lager der sowjetischen Besatzungsmacht Tausende M\u00e4nner, Frauen und Jugendliche um. Sie starben an Hunger, Seuchen und Krankheiten. Auf zwei Gr\u00e4berfeldern im Wald und an anderen Stellen sind sie als Namenlose der Erde \u00fcbergeben worden. Der Weg zur deutschen Einheit im Jahre 1990 gab den Opfern ihre W\u00fcrde zur\u00fcck.&#8220;<br \/>\nDie Bundesregierung hat die Anlage als Gedenkst\u00e4tte von gesamtstaatlicher Bedeutung eingestuft.<\/p>\n<p>Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre wurde auf Grundlage eines Entwurfs des Neubrandenburger Stadtarchitekten Meyer eine Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die Opfer des Kriegsgefangenenlagers geschaffen, die 1961 fertiggestellt wurde. Sie besteht aus einem Glockenturm auf einem vier Meter hohen Sockel und einer monumentalen Bronzeskulptur des Dresdner Bildhauers Braun &#8211; ein k\u00e4mpferisch in die Ferne blickernder Mann, der einem St\u00fcrzenden Halt bietet.<\/p>\n<p>Auf dem Gel\u00e4nde des Gutes entstand nach Kriegsausbruch 1939 das der Wehrmacht unterstellte Kriegsgefangenenlager Stalag II A und ab dem Juni 1945 das Speziallager Nr. 9 (Siehe Stammlager Neubrandenburg\/F\u00fcnfeichen). Im August 1948 wurde das Lager aufgel\u00f6st und abgerissen.<\/p>\n<p>In F\u00fcnfeichen wurden zu beiden historischen Ebenen Mahnmale errichtet.<br \/>\nW\u00e4hrend der Zeit der DDR bis heute dient F\u00fcnfeichen als milit\u00e4rischer Standort.<br \/>\n(Quelle:Wikipedia)<\/p>\n<p>In F\u00fcnfeichen sind Kriegsgefangene aus mehreren Nationen, darunter Angeh\u00f6rige der Roten Armee bestattet.<br \/>\nHier ruhen etwa 5.169 M\u00e4nner, Frauen und Jugendliche, die ab 1945 im NKWD Lager inhaftiert waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Neubrandenburg &#8211; F\u00fcnfeichen Adresse: Arbeitsgemeinschaft F\u00fcnfeichen, Hopfenstra\u00dfe 5, 17034 Neubrandenburg Quelle: Politische Memoriale Mecklenburg Vorpommern Historischer Bezug: 1938 erwarb die Wehrmacht das Gut F\u00fcnfeichen von der j\u00fcdischen Besitzerin Olga von Maltzahn und begann mit dem Bau von Kasernen. 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